20 Jahre mit Wagner und anderen

Erl, Tiroler Festspiele, 06.–30.07.2017

Im Winter 2015/16 zeigten die Tiroler Festspiele Erl Rossinis „Der Barbier von Sevilla“.

Wagner über Wagner, Ring, Parsifal, Tannhäuser und Lohengrin, neues Festspielhaus und Kammermusik, Orchester, Sommer und Winter – die Festspielgeschichte von Erl ist voller Erneuerung und Überraschungen, und das auch 2017, 20 Jahre nach der Gründung.

Gustav Kuhn ist zwar kein Schöpfer von Gesamtkunstwerken wie Richard Wagner, dem seine besondere Opernliebe gilt, aber doch ein Impresario, der aus dem Vollen schöpft und stets nach neuen, großen Herausforderungen sucht. Im kleinen Tiroler Passionsspielort Erl mit seinen 400 Einwohnern und seinem wunderbaren hölzernen Passionsspielhaus hat Kuhn vor 20 Jahren eine Heimat für seine Vision eines Sommerfestivals gefunden – mit ihm als Intendanten und Maestro, wie er sich gerne nennen lässt, und schließlich auch mit dem finanzkräftigen Mäzen Hans Peter Haselsteiner.

In Erl hat Kuhn zuerst sommerliche Wagner-Festspiele etabliert, die auf klassische Inszenierungen, leidenschaftliches Musizieren, enorme Anstrengungen der Instrumentalisten und Sänger, Offenheit für alle und den Ort mitten in der Landschaft setzten – und die, auch wenn Kuhn in dieser Hinsicht immer ein wenig abgewiegelt hat, ein Gegenentwurf zu Bayreuth mit seinen Wartelisten, hohen Preisen, seinen Superstars und seinen oft radikalen Inszenierungen waren. Dem Publikum gefiel’s: Man fuhr Jahr für Jahr nach Erl, vom ersten „Rheingold“ 1998 an und bis der „Ring des Nibelungen“ vollständig war. Viele kamen wieder, als der Ring innerhalb einer Saison und schließlich sogar innerhalb von 24 Stunden gespielt wurde, freuten sich auf andere Wagneropern wie „Lohengrin“ und genossen die Akustik des Passionsspielhauses und die grüne Wiese drum herum.

Neben Wagner hatten immer auch Musik für Kammerensembles und Orchester, schräge Volksmusik- und Liedprojekte Platz, die ebenso gut angenommen werden. Und doch spann Gustav Kuhn weitere Ideen, um das Festivaluniversum Erl noch größer und interessanter zu gestalten. Die größte nahm sich zuerst wie ein Luftschloss aus – und wurde dann doch mithilfe der öffentlichen Hand und von Haselsteiner und seiner Baufirma Strabag 2012 gebaute Wirklichkeit: das winterfeste Festspielhaus von Delugan Meissl, das direkt neben dem Passionsspielhaus entstand und nun ein zweites Festival pro Jahr ermöglichte. Im Winter spielt man nun Verdi und Mozart und feiert Weihnachten und Neujahr musikalisch.

Wenn Gustav Kuhn heute auf 20 Festspieljahre zurückblickt, hat er sicher noch weitere Ideen im Hinterkopf, vorerst hat er aber von 6. bis 30. Juli 2017 ein Jubiläum zu feiern. Dies tut er mit der Wiederaufnahme von Wagners „Lohengrin“, mit einer Neuinszenierung von Gioacchino Rossinis „Semiramide“, mit Kammermusik, Orchesterkonzerten, Liederabenden, mit dem geheimen Hausorchester Franui in Kooperation mit Hans Magnus Enzensberger und zum Abschluss mit Beethoven. Auf dass noch viele weitere Tiroler Festspiele mit Altbekanntem und gänzlich Neuem kommen mögen.

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