Gebrauchsanweisung für Tirol

Reisebuch von Bernd Schuchter

Gebrauchsanweisung für Tirol (Detail)

Endlich gibt es auch für Tirol eine: eine für Reisende nützliche Gebrauchsanweisung, geschrieben von Bernd Schuchter, veröffentlicht 2017.

Wer gerne reist, aber keine Lust hat auf Folianten und Fotobücher, schwer wie Backsteine, der ist mit der Reihe „Gebrauchsanweisung für …“ gut beraten. Der Piper Verlag lädt seit 1978 jeweils Autoren aus einem Land oder zumindest echte Kenner aus dem Ausland dazu ein, ebendieses Land literarisch zu beschreiben: eine Innensicht für Außenstehende und eine Einladung, sich das jeweilige Land selbst von innen anzusehen. Die Wahl der Schriftsteller trifft der Verlag offenbar sehr sorgfältig, die Bücher sind informativ, von guter literarischer Qualität und so handlich, dass sie in jede Handtasche passen. Und selbst wenn man ein Land bereits früher bereist hat, kann man in den schmalen Bänden noch viel Neues entdecken.

Von innen betrachtet. Wie aber sieht es aus, wenn ein Autor jenes Land beschreibt, in dem man selbst lebt, das man zu kennen glaubt wie seine eigene Westentasche? Der Innsbrucker Autor Bernd Schuchter hat mit seiner „Gebrauchsanweisung für Tirol“ im Herbst 2017 ein Buch vorgelegt, in dem er von bekannten Klischees erzählt und von typisch Tirolerischem, das außerhalb Tirols ganz unbekannt ist. Er weiß von den feinen Unterschieden zwischen den Regionen, von der etwas herben, aber ernst gemeinten Herzlichkeit im Umgang miteinander und von der professionellen Freundlichkeit in Fremdenverkehrszonen. Schuchter kennt die typischen Gerichte, die berühmten Persönlichkeiten, die Freude an großem Spektakel und die stillen Plätze, die Armut, Einfachheit und den Traditionalismus des bäuerlichen Tirol in der Vergangenheit und den Reichtum und die großen Gesten des touristischen Tirol heute. Nur der Traditionalismus hat – bei aller technischen Modernität – immer noch seinen festen Platz.

Was ist Tirol? In gewisser Weise ist Schuchter selbst ein typischer Tiroler: mit der Region verwachsen und zugleich – auch weil diese Region in Europa an einem der Kreuzungspunkte der Wege von Ost nach West und von Nord nach Süd liegt –der Welt gegenüber offen. „Worin besteht der Reiz dieses Landes“, fragt er, „das Jahr für Jahr Millionen Menschen dazu bewegt, hier nicht nur durchzureisen, sondern absichtlich hier Urlaub zu machen?“ Antworten findet er auf den etwas mehr als 200 Seiten viele, er erzählt von Speck- und Tirolerknödeln, von der Gletschermumie Ötzi und dem Nationalhelden Andreas Hofer, von atemberaubenden Ausblicken und engen Tälern, von jugendlichem Rebellentum und trachtenseliger Angepasstheit.

Porträts von echten Tirolern. Schuchter ist ein guter Beobachter, ein kundiger Erzähler und verfügt über die nötige Portion Selbstironie. Oft erwischt man sich bei einem wissenden Nicken, ist überrascht über etwas, was man noch nicht wusste, oder denkt bei sich, dass man manches ganz anders erlebt. Es ist ein gutes Zeichen, dass dieses Tirolbild zwischen zwei Buchdeckeln nicht glatt und eindimensional ist, sondern so wie das Land, aus dem es stammt: lieblich und schroff, abweisend und einladend, schlicht und komplex. Als Tiroler fühlt man sich im Großen und Ganzen gut porträtiert, und als Reisender, der Tirol einen Besuch abstattet, wird man vieles bestätigt sehen.

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Tirol