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Museum der Völker
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Nirgendwo lässt sich die alte Technik des Webens besser veranschaulichen als in Afrika.
Hier scheint die Zeit still gestanden zu sein, denn in all den Jahren des industriellen Aufbruchs, in denen anderenorts tradierte Handwerke verschwunden sind, hat sich südlich der Sahara die Zunft der Weber gegen die Macht der Importe und die eines erbarmungslosen Marktes behaupten können. Das mag wohl daran liegen, dass die Stoffe, egal ob sie im profanen oder rituellen Umfeld Verwendung finden, immer auch Träger von Informationen und geheimen Symbolen sind. Was dem westlich erzogenen Menschen als belangloses Muster erscheint, das kann für den Afrikaner ein verschlüsselter Hinweis oder auch eine von Tabus umgebene Information sein.
Die Gruppe der Weber teilt sich demnach in zwei Klassen. Eine, das ist die größere, dient den profanen Bedürfnissen. Sie stellt auf meist sehr kleinen Webstühlen schmale Stoffbahnen her, die später zusammengenäht werden und als Wickelröcke oder Decken Verwendung finden. Die andere, meist elitärere Gruppe, hat Kenntnis von der Bedeutung und Kraft der Symbole, sie ist Geheimnisträger und steht mit den Herrschern und Priesterklassen in Verbindung.
Vielfältig sind deren Erzeugnisse. Es gibt Tücher für die Totenkulte und solche für die Inthronisation. Ihr Material, ihre Farben, ihre Machart ist streng geregelt und Gesetzen unterworfen, die nur Eingeweihte kennen. Dabei unterscheiden sich diese von Ort zu Ort und von Stamm zu Stamm. Dadurch entsteht eine nur schwer überschaubare Vielfalt, die für den traditionellen Afrikaner unerschütterliche Gültigkeit besitzt.
Afrikas Offenheit fürs Neue hat aber alle Formen der Tradition beeinflusst und verändert. Importierte Ware hat die Schneider zu neuen Gewändern inspiriert. An der Grenze zwischen Tradition und Moderne zeigt die Ausstellung TEXTILE KUNST AUS AFRIKA , wohin die Entwicklung geht. Zwischen Kunst- und Alltagsgeweben, aber auch zwischen Kult und Symbolismus, zeigt das Haus der Völker Beispiele zu diesen Themen.