Das Tiroler Landestheater wagt sich im Herbst 2010 an eines der großen Theaterstücke des 20. Jahrhunderts: Thomas Bernhards „Heldenplatz“.
Der Heldenplatz, auf dem Adolf Hitler 1938 den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich verkündete, ist der Ankerpunkt dieses Stückes, das Thomas Bernhard 50 Jahre nach diesem Ereignis für das Wiener Burgtheater schrieb. Damals war die fundamentale Kritik an der Haltung seiner österreichischen Zeitgenossen, die der Schriftsteller in sein Stück verpackte, der Grund für eine breite Entrüstung im Land: Dass die Österreicher aus den Erlebnissen des Krieges und der Verfolgung von Juden und anderen Bevölkerungsgruppen nichts gelernt hätten, wollten sie sich auch Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches nicht sagen lassen – zumindest nicht von der Bühne des wichtigsten Theaters im Lande nicht.
Heute, mehr als zwanzig Jahre später, tragen in Österreich viele die Abneigung gegenüber allen, die anders, fremd, sind, viel offener vor sich her, als man es 1988 üblicherweise tat. Vielleicht liegt darin ein Grund, dass Klaus Rohrmoser, der Schauspieldirektor des Tiroler Landestheaters, „Heldenplatz“ ab 02. Oktober 2010 auf den Spielplan gesetzt hat. Bedenkt man die hohe Qualität, die Inszenierungen von Stücken zeitgenössischer österreichischer Autorinnen und Autoren am Tiroler Landestheater haben, besteht die berechtigte Hoffnung, dass auch Heldenplatz eine gewisse Wirkung bei der Tiroler Bevölkerung hervorruft: im besten Fall Begeisterung für großes Theater und Nachdenklichkeit in Bezug auf den Umgang mit anderen.
Tiroler Landestheater
Premiere: 02.10.2010, 19:30 Uhr
weitere Aufführungen:
07., 09., 13., 14., 24., 29.10.
05., 18.11.
01., 12.12.2010
Beginn: 19:30 Uhr
Schulvorstellung: 02.12.2010, 10:00 Uhr